Die Hüllen, die uns umgeben

[Read this post in English]

Le beau est fait d’un element eternel, invariable, dont la quantite est excessivement difficile a determine, et d’un element relatif, circomstancial, que sera si l’on veut, tour a tour ou tout ensemble, l’epoque, la mode, la moral, la passion. Sans ce second element, que est comme l’enveloppe amusante, titillant, aperitive, du divin gateau, le premier element serait indigestible, inappreciable, non adapte et non approprie a la nature humaine. Je defie qu’on decouvre un echantillon quelconque de beaute que ne contienne pas ces deux elements.
(Baudelaire, Le Peintre de La Vie Moderne)

Das Wort Kultur leitet sich ab vom Lateinischen: pflegen, wohnen, bebauen. Die erste Form der menschlichen Kultur ist wohl das Kochen. Wir Menschen leben schon seit mehr als eineinhalb Millionen Jahren von gekochtem – lange genug, dass sich unser Körper im Lauf der Evolution daran angepasst hat.

Wann wir Menschen angefangen haben, uns zu kleiden, ist nicht geklärt. Die frühesten Funde von Nähnadeln reichen weiter zurück, als die ältesten Hölenmalereien. Und während uns das Kochen ein erweiterter Teil unseres Stoffwechsels geworden ist, so wurde aus den Kleidern eine zweite Haut, die uns ermöglicht, in beinahe jedem Klima zu überleben – aber, wenn sie uns fehlt, dann frieren wir – und wir fühlen uns nackt.


“Du bist, was du isst”, sagt ein Sprichwort. “Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.” entgegnet dann aber Bert Brecht. Erst nach der Fresswelle der Nachkriegszeit und der “Grünen Revolution” der siebziger Jahre mit vierzigfacher Vermehrung der landwirtschaftlichen Produktion, konnte in den achtziger und neuziger Jahren die Gegenbewegung beginnen, die Flut an Junk-Food in Frage zu stellen und auffordern, sich auf lokale Erzeuger und handwerklich hochwertige Produktion zu konzentrieren.

Kleidung ist in unserer Gesellschaft – ähnlich wie Lebensmittel – zu einer billigen Massenwahre geworden. Genau wie die Tatsache, dass glücklicher Weise kaum noch Menschen in Deutschland hungern müssen, ist es zunächst ein hohes Gut, dass Kleider in akzeptabler Qualität für alle zu haben sind. Aber noch stärker als das billige Essen erkaufen wir uns die billigen Kleider zu einem hohen Preis, den allerdings nicht wir alleine zahlen, sondern vor allem jene, die für uns diese Kleider in Sklavenarbeit anfertigen müssen; von ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit ist schon der Anbau der Grundstoffe wie zum Beispiel der Baumwolle weit entfernt; und schließlich werden die Textilien chemisch mit Weichmachern und Impregnierungen ausgestattet, die bis zu dreißig Prozent des Gewichts ausmachen! Auch die Farben sind häufig reizend oder sogar giftig. Unsere zweite Haut soll uns schützen und wärmen, nicht aber krank machen!


Wie unser Gesicht, die Mimik und unsere Gesten, gehört unsere Kleidung untrennbar zu unserem Aussehen, mit dem wir anderen Menschen gegenüber in Erscheinung treten. Kleidung soll uns schmücken, uns positiv erweitern, wie die Körperpflege und Kosmetik oder wie unser Haarschnitt – auch in dieser Hinsicht ist Kleidung eine Erweiterung unseres Körpers: Kleidung ist Kommunikation.

Daher wollen wir schöne Kleider. Kleider, die dem entsprechen, was wir über unsere Persönlichkeit ausdrücken wollen. Auch dadurch werden Kleider schließlich zu Mode. Nachhaltige Mode muss damit nicht nur ökologisch und sozial produzieren, sondern auch schön sein!

“Clothes are inevitable. They are nothing less than the furniture of the mind made visible.”
(James Laver)

Geht man den Gedanken der “künstlichen Hüllen” von innen nach außen weiter, so kommt nach dem Essen und Kleiden als nächste Schale das Wohnen und zum Schluss das Reisen – und für alle diese Bereiche lohnt es sich, die Frage nach dem Guten zu stellen.

Mit Slow Fashion versuchen wir, diese beiden wichtigen Aspekte von Mode und Kleidung zu würdigen. Wir suchen nach den guten Kleidern, nach Kleidern, die lange halten – materiell und ideell, mit einer Geschichte, hergestellt mit Kunstfertigkeit, die, wenn wir sie tragen, etwas besonderes zu uns hinzufügen. Mode als Zuckerguss des göttlichen Kuchens – wie bei Baudelaire im Eingangszitat – oder als Sichtbarmachung unserer geistigen Einrichtung – Wir suchen nach wertvoller Mode.

Hier geht es zu unseren sieben Punkten: Was ist Slow Fashion?

 

nächster Beitrag: